Bayrische Uhr, 5 Dinge, die man bei der Wahl in Bayern beachten sollte – Normalerweise geht es um die einzige wirkliche Frage, wie groß die Mehrheit der Christlich-Sozialen Union sein wird. Und wie bei den meisten bayerischen auch, ist der Höhepunkt der Wahlkampfsaison in der Regel mit ungeheuren Mengen an Bier und Brezeln verbunden.

Nicht in diesem Jahr. Zum ersten Mal in lebendiger Erinnerung scheint die CSU fast sicher unter die 40-Prozent-Marke zu fallen — und womöglich deutlich darunter — bei der Landtagswahl am Sonntag ein Ergebnis, das politische Erschütterungen von München nach Berlin schicken würde.

Bayrische Uhr

Die 1945 gegründete CSU hat den wohlhabenden süddeutschen Staat mit absoluter Mehrheit für den größten Teil der Nachkriegszeit regiert. Diese Stärke hat die CSU zu einem unverzichtbaren (wenn auch oft schwierigen) Partner für ihre Schwesterorganisation, die Christdemokraten, die in jedem deutschen Bundesland mit Ausnahme Bayerns aktiv ist, gemacht.

Die CSU gewann bei der letzten Wahl knapp 48 Prozent, 2013 sicherte sie sich damit eine Mehrheit der Sitze, ist aber laut einer Umfrage in der vergangenen Woche auf nur noch 33 Prozent gesunken. In weiten Teilen Europas wäre dieses Ergebnis ein Traumabschluss für eine amtierende Zentrumspartei. Angesichts der langen Herrschaft der CSU würde ein solches Ergebnis aber als Desaster gewertet.

Zwar geht es Bayern wirtschaftlich mit einer Arbeitslosigkeit von unter 3 Prozent extrem gut, doch eine Kombination aus Frustration über die Migrationspolitik sowie Machtkämpfen innerhalb der CSU und der Koalition in Berlin hat viele Wähler auf der Suche nach Alternativen.

Nicht nur die Dominanz der CSU in Bayern steht auf dem Spiel. Als Schlüsselfigur in der regierenden großen Koalition in Deutschland wird die Wahl am Sonntag auch als Bollwerk für den Einfluss der Partei auf die Landespolitik dienen.

Im Juli hatte die CSU die Regierung fast zu Fall gebracht, indem sie auf ein neues Regiment für die Abschiebung von Flüchtlingen an der bayerischen Grenze bestand. Sie ist auch an anderen Fronten mit CDU und SPD kollidiert, unter anderem mit ihrem Beharren auf einer Autobahnmaut für Ausländer und darüber, wie man mit dem Dieselskandal umgeht.

Oft werden diese Zusammenstöße auch die Aufmerksamkeit Brüssels erregen, wo die Bayern eine prominente Mission neben dem Europäischen Parlament unterhalten.

Unterstrich die Bedeutung der EU für die CSU, führt der stellvertretende Vorsitzende der Partei, Manfred Weber, die EVP-Fraktion im Parlament an. Im vergangenen Monat kündigte Weber seine Kandidatur an, der nächste Präsident der Europäischen Kommission zu werden, ein Ehrgeiz, der auch einen Schlag bringen würde, wenn seine Partei schlecht abschneidet.

1. Rollen der Köpfe

Wenn die Umfragen stimmen (und das letzte Mal waren sie für die CSU punktgleich), wird es Blut geben. Die Parteiführung ist seit einem Jahr inmitten einer erbitterten Rivalität zwischen CSU-Chef Horst Seehofer und seinem früheren Finanzminister Markus Söder von Konflikten heimgesucht worden.

Seehofer hatte sich nach dem schlechten Auftritt der CSU bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr bereit erklärt, als bayerischer Ministerpräsident zurückzutreten, um dem jüngeren Söder Platz zu machen. Seehofer, der inzwischen Innenminister in Merkels Kabinett in Berlin ist, behielt den Vorsitz der CSU aber, hielt seinen Konflikt mit Söder am Leben.

Schon vor der Abstimmung am Sonntag haben die beiden mit dem Finger aufeinander gezeigt. “In den vergangenen sechs Monaten habe ich mich weder in der bayerischen Politik noch in der Führung des Wahlkampfs engagiert”, sagte Seehofer der Süddeutschen Zeitung am Wochenende. Söder hat unterdessen deutlich gemacht, dass “Querwinde aus Berlin” an den schlechten Umfragezahlen der Partei schuld sind.

Fazit: Ohne einen unerwarteten Anstieg der Unterstützung für die CSU wird eines der beiden großen Bestien, höchstwahrscheinlich Seehofer, gehen müssen. Seehofer hat deutlich gemacht, dass er erwartet, dass er nach der Wahl sowohl den Parteivorsitz als auch die Kontrolle über das Innenministerium behalten wird.

Angesichts des Aufrugs über seinen Umgang mit beiden Ämtern in letzter Zeit, wird er eher beide verlieren. Das wäre eine willkommene Nachricht für Merkel, die in den vergangenen Jahren immer wieder mit Seehofer kollidierte, vor allem in Bezug auf die Migration.

2. Ist Grün das neue Rot?

Die Grünen sind in Bayern in Flammen aufgegangen, haben sogar 18 Prozent beunruhigen, mehr als das Doppelte ihres Ergebnisses bei der letzten Wahl. Wie andernorts in Deutschland ist ein Großteil dieses Gewinns auf Kosten der Sozialdemokraten (SPD) zu tragen, die offenbar in eine Todesspirale geraten sind.

Nachdem die SPD 2013 mehr als 20 Prozent der Stimmen gewonnen hatte, ist sie in den Umfragen seit Monaten bei rund zwölf Prozent geschrumplt. Die Grünen haben auch einige liberale CSU-Wähler herangezogen, die sich mit der harten Rhetorik der Partei in Sachen Migration unwohl fühlen, ebenso wie jene, die mit den Machtkämpfen der Partei frustriert sind.

Fazit: Bayern könnte mehr Belege dafür bieten, dass die Grünen, die bereits im benachbarten Baden-Württemberg regieren, die SPD nach und nach als Deutschlands neue Volkspartei verdrängen.

3. Wie sieht es mit der Alternative aus?

Die meisten Medien werden sich darauf konzentrieren, wie die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) das tut. Während die Partei mit elf Prozent die Wahlen bezipst, schneidet sie an der Wahlurne oft besser ab als die Meinungsforscher prognostizieren. In Bayern ist nicht viel Geschichte zu sehen, weil die Party dort noch nie gelaufen ist.